Skandinavien Silke 2013

Warum ausgerechnet dieser Roman?

Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich irgendwann einen Roman schreiben würde, hätte ich das gar nicht so abwegig gefunden. Wenn dieselbe Person mir allerdings erzählt hätte, welchen Roman ich schreiben würde, wäre ich wahrscheinlich skeptisch gewesen. Denn Fensterwetter war ursprünglich überhaupt nicht geplant. Nicht einmal ansatzweise.
Und trotzdem frage ich mich inzwischen, ob diese Geschichte wirklich so zufällig entstanden ist, wie es zunächst aussah.

Bücher waren schon immer da

Dass ich gerne schreibe, dürfte niemanden besonders überraschen, der mich schon länger kennt. Ich habe viele Jahre gebloggt, Sachbücher geschrieben, Kurskonzepte entwickelt, unzählige Newsletter und E-Mails verschickt und in Summe eine ganze Menge Texte produziert, die ich längst wieder vergessen habe.

Aber bevor ich geschrieben habe, habe ich gelesen und lese natürlich noch immer. Ohne Bücher komme ich nur kurze Zeit mal aus. Auf meinen Wunschlisten standen schon immer mehr Bücher als ich lesen kann und wenn ich verreise, beschäftigt mich neben den üblichen Fragen auch diese: Was nehme ich zum Lesen mit? Und nein, ein Buch reicht natürlich nicht. Denn was ist, wenn es mir nicht gefällt? Was ist, wenn ich schneller lese als gedacht? Was ist, wenn mir am dritten Abend nach etwas völlig anderem ist, als ich zu Hause noch dachte?
Ich kann nicht einfach wegfahren und solche Risiken eingehen. 😉

Ich lese gern Geschichten, in denen Figuren nicht nur etwas erleben, sondern sich im Laufe ihres Lebens tatsächlich verändern. Mich interessieren Entscheidungen und ihre Folgen, Lebenswege, Brüche und die Frage, warum ein Mensch irgendwann genau dort angekommen ist, wo wir ihm in einer Geschichte begegnen. Und mich interessiert der geschichtliche Hintergrund, vor dem Menschen in ihrer jeweiligen Zeit bestimmte Entscheidungen getroffen haben.
Vielleicht hätte ich also schon viel früher darauf kommen können, dass ich irgendwann selbst eine solche Geschichte schreiben möchte.

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben

Als ich anfing, über ein Romanprojekt nachzudenken, gab es zunächst eine ganz andere Idee.
Ich entwickelte Figuren, dachte über die Geschichte nach, recherchierte und arbeitete eine ganze Weile daran. Im ersten Entwurf gab es irgendwann ein Detailthema, bei dem ich merkte, dass es immer größer wurde und eigentlich nicht mehr so recht in die Geschichte passen wollte.

Also nahm ich es heraus.
Und weil ich offenbar dachte, dass man aus einem herausgenommenen Detailthema ja problemlos etwas ganz Eigenständiges machen kann, kam ich auf die Idee, daraus eine Satire zu schreiben.
Das war ein interessanter Ausflug, das muss ich schon sagen. Vor allem habe ich dabei aber etwas ziemlich Wichtiges über mich gelernt: Ich kann keine Satire, zumindest keine, die ich selbst freiwillig lesen würde. Das musste ich erst mal herausfinden!😄

Also verabschiedete ich mich wieder davon. Allerdings nicht von allem, was in dieser Zeit entstanden war, denn irgendetwas hatte sich verändert und als ich noch einmal neu ansetzte, entwickelte sich daraus fast wie von selbst eine ganz andere Geschichte.
Der dritte Entwurf hatte mit dem ersten immer weniger zu tun, mit dem zweiten auch nicht und irgendwann war kaum noch etwas von allem übrig.
Und dann war da Maja.

Wann aus einer Idee Fensterwetter wurde

Ich könnte heute gar nicht den einen Moment benennen, in dem ich beschlossen habe: So, jetzt schreibe ich Fensterwetter. Diesen Moment gab es wahrscheinlich nicht. Die Geschichte ist Stück für Stück entstanden. Manches war früh da, anderes kam erst sehr viel später hinzu. Einige Ideen, von denen ich anfangs felsenfest überzeugt war, haben es nicht mal bis zur Rohfassung geschafft. Andere tauchten erst beim Schreiben auf und wurden wichtig.

Und dann kamen Dinge zusammen, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass ich über sie schreiben würde: Eine Frau, deren Leben ich über einen langen Zeitraum erzähle. Ein Beruf, der für sie eine besondere Rolle spielt, und Island. Begegnungen, nach denen das Leben nicht einfach genauso weitergeht wie vorher. Und immer stärker auch Fragen, die mich selbst sehr beschäftigen: Was bleibt eigentlich von Entscheidungen, die wir vor vielen Jahren getroffen haben? Was macht ein Leben zu einem gelungenen Leben? Wie wichtig ist es, gesehen zu werden? Und von wem überhaupt?

Je länger ich an Fensterwetter gearbeitet habe, desto öfter hatte ich den Gedanken, dass dieser Roman vielleicht doch nicht ganz so zufällig entstanden ist, wie es sich zu Beginn angefühlt hat, denn plötzlich fanden sich darin Themen, die mich schon sehr lange interessieren und zu denen ich mich hingezogen fühle, wie zum Beispiel der Norden und auch mein Interesse für das Weltall und die Raumfahrt.
Vor allem aber interessieren mich Lebensgeschichten, warum jemand eine bestimmte Entscheidung trifft und Jahre später vielleicht ganz anders darauf blickt. Mich interessiert, welche Werte bleiben, wenn sich Lebensumstände völlig verändern, und was Öffentlichkeit mit uns macht.

Auf der Seite zu Fensterwetter erfährtst du inzwischen schon ein bisschen mehr über Maja, wer sie ist und worum es in ihrer Geschichte geht. Aber bis der Roman tatsächlich als Buch bei dir im Regal stehen kann, wird noch einige Zeit vergehen, ein paar Monate mindestens, und deshalb bleibe ich an manchen Stellen ganz bewusst noch etwas vage, um die Spannung nicht zu nehmen.
Sieh mir also bitte nach, wenn ich noch ein bisschen um den heißen Brei herumrede. 😉

Warum es unbedingt ein Roman werden musste

In einem Sachbuch erkläre ich, ordne ein, begründe, ziehe Schlussfolgerungen und versuche, möglichst klar zu sagen, was ich meine.
Eine Geschichte kann etwas ganz anderes. Ich kann eine Figur vor eine Entscheidung stellen, ohne anschließend zu erklären, was die richtige gewesen wäre. Ich kann zwei Menschen völlig unterschiedlich auf dieselbe Situation reagieren lassen und dabei ist jede Variation womöglich plausibel. Ich kann etwas offenlassen und einfach darauf vertrauen, dass Leserinnen und Leser ihre eigenen Gedanken dazu haben, ohne dass ich ihnen diese Gedanken vorwegnehme.
Und ich kann Fragen stellen, auf die ich selbst keine eindeutige Antwort habe, ohne mich schlecht dabei zu fühlen.
Das gefällt mir inzwischen wahrscheinlich am meisten am literarischen Schreiben. Maja muss nicht denken, was ich denke. Und wer Fensterwetter liest, muss am Ende auch nicht zu denselben Antworten kommen wie ich. Das darf gerne auseinandergehen.

Maja begleitet mich nun schon eine ganze Weile. Ich habe sie als junge Frau kennengelernt und bin ihr beim Schreiben durch viele Jahrzehnte ihres Lebens gefolgt, näher, als ich das anfangs für möglich gehalten hätte. Ich habe Szenen mit ihr geschrieben und wieder gestrichen, Entscheidungen im letzten Moment noch verändert und an manchen Stellen sehr lange überlegt, was ich ihr eigentlich zumuten darf und was nicht. Und irgendwann war dieser Roman nicht mehr einfach mein Versuch, mal etwas ganz anderes auszuprobieren. Es war genau die Geschichte, die ich erzählen wollte, ganz ohne Wenn und Aber.
Dass ich auf einem ziemlich umständlichen Weg bei ihr angekommen bin, passt vielleicht sogar ganz gut.
Zu ihr, zu mir und vielleicht auch zu dir, falls du Fensterwetter lesen magst.


Wenn du Fensterwetter weiter begleiten möchtest

Bis der Roman tatsächlich als fertiges Buch vor mir liegt, wird noch einiges passieren. Über manches davon werde ich hier erzählen, über anderes ganz bewusst noch nicht, denn ein paar Dinge sollst du wirklich erst erfahren, wenn du Fensterwetter irgendwann selbst in den Händen hältst.

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