Fensterwetter ist im Lektorat
Es ist tatsächlich so weit: Das Lektorat hat im September begonnen.
Wenn ich das so schreibe, fühlt es sich immer noch ein bisschen ungewohnt an, denn bis vor ein paar Monaten war dieser Roman vor allem eine Datei auf meinem Computer, an der ich ständig irgendetwas geändert, ergänzt oder gestrichen habe. Inzwischen haben mehrere Menschen das Manuskript gelesen, ich habe ihre Rückmeldungen verarbeitet und Anfang September schließlich die Fassung abgeschickt, die nun bei meiner Lektorin liegt.
Jetzt kann ich erst mal nichts mehr tun. Das ist einerseits ganz angenehm, andererseits bin ich ziemlich gespannt darauf, was zurückkommt.
Vor dem Lektorat kamen die Testlesenden
Mit dem Wort „fertig“ bin ich bei Fensterwetter inzwischen ein bisschen vorsichtig geworden, denn ich war schon einmal der Meinung, die Rohfassung sei fertig. Damals gab ich das Manuskript einem ersten Testleser, der mir anschließend gerade einmal zwei Fragen stellte. Das klingt zunächst überschaubar, allerdings waren es zwei ziemlich gute Fragen und je länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir, dass dahinter größere Themen steckten, die ich beim Schreiben noch nicht ausreichend durchdacht hatte. Also musste ich nochmal ran und das dauerte etliche Wochen.
Beim zweiten Anlauf waren es dann mehrere Testlesende und genau das wollte ich auch so, denn wenn man selbst über Monate an einer Geschichte arbeitet, gibt es irgendwann ein Problem: Man weiß einfach viel zu viel und zu wenig darüber, was man von dem vielen Wissen eigentlich schon ins Manuskript gepackt hat.
Ich kenne Maja, ihre Geschichte und ihre Beweggründe. Ich weiß, warum bestimmte Dinge passieren, kenne Zusammenhänge, die vielleicht gar nicht so deutlich im Text stehen, wie ich glaube, und habe auch all die Szenen im Kopf, die irgendwann einmal zum Roman gehört haben und längst wieder gestrichen wurden.
Irgendwann kann man selbst nur noch schwer beurteilen, ob etwas tatsächlich nachvollziehbar erzählt ist oder ob man es lediglich deshalb versteht, weil man die Antwort längst kennt.
Genau dafür waren meine Testlesenden wichtig.
Nicht alle lesen dieselbe Geschichte
Was ich dabei besonders interessant fand, waren die unterschiedlichen Rückmeldungen.
Eine Person blieb an einer Stelle hängen, die für jemand anderen überhaupt kein Problem war. Manche wollten über eine Figur mehr erfahren, andere fanden genau diese Figur weniger wichtig. Es gab Rückmeldungen, bei denen ich sofort wusste, dass ich etwas ändern möchte, und andere, über die ich erst einmal eine Weile nachdenken musste.
Und natürlich gab es auch Lob.
Das möchte ich bei all dem Nachdenken über Kritik nicht unterschlagen, denn ich bin keineswegs so souverän, dass mir das völlig egal gewesen wäre. Wenn man viele Monate an einem Roman arbeitet und ihn dann zum ersten Mal Menschen gibt, die ihn tatsächlich von Anfang bis Ende lesen, ist es durchaus schön zu hören, dass sie ihn gerne gelesen haben. 😉
Trotzdem habe ich beim Testlesen etwas gelernt, worüber ich später noch einmal ausführlicher schreiben möchte: Ich musste für mich herausfinden, warum jemand an einer bestimmten Stelle hängenbleibt, ob dahinter tatsächlich ein Problem des Textes steckt oder vielleicht einfach eine persönliche Vorliebe, und vor allem, welche Geschichte ich eigentlich erzählen möchte.
Das war manchmal gar nicht so einfach.
Über meine Erfahrungen mit den Testlesenden werde ich deshalb noch einen eigenen Beitrag schreiben. Im Moment möchte ich damit noch ein bisschen warten, weil ich dann gerne konkreter werden möchte, und manches, worüber wir gesprochen haben, zwangsläufig auch etwas über den Inhalt von Fensterwetter verraten würde.
Und jetzt ist das Manuskript tatsächlich im Lektorat
Nachdem ich die Rückmeldungen eingearbeitet und das Manuskript noch einmal komplett durchgesehen hatte, kam Anfang September der nächste Schritt: Ich habe Fensterwetter an meine Lektorin geschickt.
Wer sie ist und wie die Zusammenarbeit klappt, das erzähle ich in einem extra Beitrag.
Auf diesen Moment hatte ich jedenfalls lange hingearbeitet und mich wirklich darauf gefreut. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch ziemlich nervös bin. Es ist nicht so schlimm, dass ich nachts wachliege und darüber nachdenke, was gerade mit meinem Manuskript passiert. Aber natürlich frage ich mich, was meine Lektorin entdeckt, denn ihr Beruf ist es, Geschichten sehr genau zu lesen und eben nicht nur darauf zu achten, ob sie ihr persönlich gefallen.
Ich habe mich bewusst für ein ausführliches Lektorat entschieden, weil mir vor allem der Blick auf das große Ganze wichtig ist. Funktioniert die Geschichte über den langen Zeitraum, über den ich sie erzähle? Sind die Figuren und ihre Entwicklungen nachvollziehbar? Stimmen die Übergänge und zeitlichen Abläufe? Gibt es Stellen, an denen mir etwas vollkommen logisch erscheint, weil ich die Geschichte so gut kenne, während eine Leserin sich fragt, wie ich jetzt eigentlich darauf komme?
Und natürlich wird es auch um die Sprache gehen. Im Grunde habe ich also jemanden dafür engagiert, mein Manuskript sehr genau und professionell nach all den Dingen abzusuchen, die noch nicht funktionieren.
Puh! Ich kann dir sagen, das ist wirklich ziemlich aufregend.😉
Ein paar Wochen lang kann ich nichts ändern
Das Lektorat dauert mehrere Wochen und während dieser Zeit lasse ich das Manuskript tatsächlich in Ruhe. Natürlich könnte ich meine Datei öffnen und weiter daran arbeiten. Besonders sinnvoll wäre das allerdings nicht. Also bleibt die Datei geschlossen.
Nach den vergangenen Monaten ist das sehr ungewohnt, denn bisher konnte ich jederzeit etwas verändern. Wenn mir beim Frühstück eine bessere Formulierung einfiel, konnte ich sie ausprobieren. Wenn ich plötzlich fand, dass eine Szene doch noch einmal anders werden müsste, konnte ich sie verändern. Und wenn ich eigentlich nur kurz eine Kleinigkeit verschieben wollte, konnte daraus problemlos ein ganzer Nachmittag werden.
Jetzt geht das alles nicht. Oder besser gesagt: Ich mache es nicht.
Und dieser Abstand ist wahrscheinlich auch ganz gut. Ich habe so lange und intensiv an Fensterwetter gearbeitet, dass ich manche Stellen kaum noch wirklich lese, weil ich längst weiß, was dort steht. Wenn das Manuskript zurückkommt, liegen einige Wochen dazwischen und dann bin ich gespannt, auf welche Weise ich selbst hinsehen werde und vor allem natürlich, welche Anregungen ich berücksichtigen darf.
Wie es weitergeht
Im Moment kann ich über das Lektorat selbst noch nicht besonders viel erzählen, denn ich warte darauf. Was danach passiert, weiß ich theoretisch: Ich bekomme das Manuskript mit den Anmerkungen meiner Lektorin zurück, gehe alles durch, überarbeite und anschließend folgt noch ein weiterer Durchgang.
Aber wie sich das tatsächlich anfühlt und was das professionelle Lektorat mit Fensterwetter macht, kann ich erst erzählen, wenn ich es erlebt habe. Ich werde also noch einmal ausführlich darüber schreiben, was mich überrascht hat, welche Rückmeldungen mir sofort eingeleuchtet haben, worüber ich länger nachdenken musste und wahrscheinlich auch darüber, ob es Stellen gab, bei denen ich mich bewusst anders entschieden habe.
Heute ist dafür noch nicht der richtige Zeitpunkt. Heute liegt Fensterwetter einfach erst einmal in anderen Händen. Und ich warte sehr gespannt.
Wenn du Fensterwetter weiter begleiten möchtest
Wenn das Manuskript aus dem Lektorat zurückkommt, werde ich hier davon erzählen. Über das Lektorat genauso wie später noch ausführlicher über meine Erfahrungen mit den Testlesenden.
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