Was mir der Norden bedeutet
Warum der Norden für mich so viel mehr ist als eine schöne Kulisse
Wenn man sich auf dieser Website ein bisschen umsieht, könnte man ziemlich schnell auf die Idee kommen, dass ich etwas für den Norden übrig habe. Viel Wasser, weite Landschaften, Island, Norwegen, und zwischendurch auch mal ein Foto von mir, aber selbst das meistens irgendwo draußen.
Das ist kein Zufall und auch keine Bildwelt, die ich mir für meine Autorinnenwebsite überlegt habe. Der Norden begleitet mich schon sehr lange und inzwischen hat er auch mit meinem Schreiben zu tun.
Island kam zuerst
Nachdem mich 1992 Wales und Schottland mit rauer Natur begeistert hatten, war ich 1993 zum ersten und bisher auch einzigen Mal auf Island.
Das war lange bevor das Land zu einem Reiseziel wurde, von dem gefühlt jeder schon einmal Fotos gesehen hat. Es gab kein Instagram, keine Listen mit den zehn Orten, die man unbedingt gesehen haben muss, und ich wusste vor meiner Reise deutlich weniger über Island, als ich heute normalerweise über ein Reiseziel weiß. Vielleicht ist mir gerade deshalb so viel davon in Erinnerung geblieben, obwohl seitdem über drei Jahrzehnte vergangen sind.
Ich weiß noch, wie fremd mir manches vorkam, wie anders die Landschaft aussah und wie sehr mich dieses Land schon damals beschäftigt hat, nicht nur während der Reise, sondern noch lange danach.
Es war das faszinierende Gesamtpaket. Die Landschaft, das Licht, die Weite, das Wetter, das sich nicht besonders dafür interessierte, was wir für den Tag geplant hatten, und diese Mischung aus Kargheit und unglaublicher Vielfalt. Damals war die Ringstraße nur zu einem Bruchteil asphaltiert und man durfte mit seinem Camper noch überall stehenbleiben. Es gab keine touristischen Hot Spots, nur Einsamkeit pur.
Dass eine einzige Reise so lange nachwirken kann, ohne dass ich je zurückgefahren wäre, überrascht mich im Nachhinein selbst ein bisschen. Aber genau das ist bei Island passiert. Inzwischen bin ich nicht sicher, ob ich den ursprünglichen Eindruck von damals mit dem Tourismus-Boom von heute überdecken möchte. Aber das geht mir tatsächlich mit einigen Orten im Norden so, die früher niemand kannte und die heute überlaufen sind.
Ich wusste 1993 wenig über Geologie, hatte keine Ahnung, welche Geschichten manche Orte erzählen, und natürlich wusste ich erst recht nicht, dass ich mehr als dreißig Jahre später einen Roman schreiben würde, in dem Island eine wichtige Rolle spielt. Das wäre 1993 vermutlich eine ziemlich überraschende Information für mich gewesen.
Norwegen dagegen wurde über die Jahre zu einer zweiten Heimat auf Zeit
Norwegen kam etwas später in mein Leben und auf eine ganz andere Weise als Island.
Wir sind viele Jahre mit dem Camper dorthin gefahren, zu einer Zeit, in der das die meisten nicht besonders spannend fanden. Es gab noch keine Camperflut, die inzwischen leider ganz Skandinavien im Sommer überrollt, keine überfüllten Stellplätze und keine Reiseblogs, die die zehn schönsten Fjorde verraten. Es gab stattdessen häufiger die Frage, warum wir eigentlich schon wieder in den Norden fahren wollten, da es doch so viele wärmere Reiseziele gibt.
Wir lachten die Fragenden immer nur an und fuhren wieder los – ab in den Norden.
Mit jeder Reise wurde Norwegen vertrauter. Wir haben Orte wieder besucht, neue entdeckt, sind bei jedem Wetter unterwegs gewesen und änderten einfach die Reiseroute, wenn es doch zu nass wurde. Norwegen ist für mich deshalb mit dem Gefühl einer zweiten, sehr weitläufigen Heimat verbunden, in die ich seit über zwanzig Jahren jedes Jahr zurückkehre.
Warum es mich immer wieder in den Norden zieht
Ich habe mich manchmal gefragt, warum ausgerechnet der Norden eine solche Wirkung auf mich hat, warum es nicht irgendein anderer Ort ist, an den es mich immer wieder zieht.
Ein Teil der Antwort hat mit meinem Alltag zu tun, der von Pflege und lückenloser Unterstützung für meinen Sohn mit Behinderung und Autismus geprägt ist. Was das im Alltag bedeutet, lässt sich schwer in einem Nebensatz erklären, deshalb versuche ich es gar nicht erst (dafür gibt es meine Seite Ellas Blog).
Was ich aber sagen kann: Wer über Jahre einen Alltag lebt, der wenig Leerlauf kennt, in dem selten ein Tag genauso verläuft wie geplant und in dem man ständig auf alles gefasst sein muss und Ferienzeit alles andere als die übliche Erholung bedeutet, sehnt sich irgendwann nach etwas ganz Bestimmtem.
Das mag sicherlich verschieden sein, bei mir ist es: Weite und Ruhe und die Möglichkeit, einfach nur da zu sein. Genau das habe ich gemeinsam mit meiner Familie in Skandinavien gefunden.
Norwegen hat sich für unsere Familie als erstaunlich unkompliziert erwiesen und das ist für uns keine Kleinigkeit. Das Land ist auf eine sehr selbstverständliche Weise inklusiv, ohne großes Aufheben darum zu machen. Die Menschen begegnen einem mit einer gewissen Selbstverständlichkeit, auch wenn wir wegen des Verhaltens unseres Sohnes oft auffallen. Die leicht angestrengten Blicke, die wir von anderen Orten und auch von Zuhause kennen, gibt es dort so gut wie überhaupt nicht.
Ich will das nicht romantisieren. Auch in Norwegen war nicht jeder Tag leicht und auch dort gab es Situationen, die anstrengend waren, weil Reisen mit Pflege eben immer eine gewisse Anstrengung mit sich bringt, egal wo man ist. Aber im Vergleich zu vielem, was wir andernorts erlebt haben, war es dort spürbar seltener die Umgebung selbst, die uns das Leben schwer gemacht hat.
Und dann ist da natürlich die Natur, die schon lange vor den anderen Gründen dafür gesorgt hat, dass ich immer wieder in den Norden wollte. Ich kann mich an Fjorden, Seen, Wasserfällen und diesen riesigen Landschaften tatsächlich auch nach all den Jahren nicht sattsehen. Mich begeistert, wie schnell sich dort alles verändern kann, wenn das Licht anders wird, Wolken aufziehen oder man hinter der nächsten Kurve plötzlich auf eine Landschaft schaut, die vorher nicht zu erahnen war.
Vielleicht gibt es gar nicht die eine Antwort darauf, warum mich der Norden so fasziniert. Es ist die besondere Natur genauso wie die Ruhe, die Weite und unsere Erfahrungen als Familie. Und vermutlich ist es gerade die Mischung aus allem, die dazu führt, dass ich nach so vielen Jahren noch immer nicht denke: Jetzt habe ich aber wirklich genug Fjorde gesehen. Ich mag es, dort zu sein, ohne ständig etwas unternehmen zu müssen. Ich kann lange irgendwo sitzen und aufs Wasser schauen, ohne das Gefühl zu bekommen, dass ich meine Zeit sinnvoller nutzen müsste oder andernorts etwas zu verpassen.
Und dann fand der Norden seinen Weg in mein Schreiben
Als ich mit Fensterwetter begann, hatte ich nicht den Plan, unbedingt einen Roman zu schreiben, in dem Island vorkommen musste. Die Entstehung dieses Romans funktionierte ohnehin nicht besonders geradlinig, wie ich inzwischen schon erzählt habe.
Aber irgendwann war Island da. Und als es da war, fühlte es sich überhaupt nicht wie eine Entscheidung an, die ich eigens für den Roman getroffen hatte. Vielmehr konnte ich plötzlich auf etwas zurückgreifen, das mich schon sehr lange begleitet, seit einer einzigen Reise, die mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt und mich trotzdem nie ganz losgelassen hat.
Natürlich hat sich mein Blick auf Island dadurch noch einmal verändert. Ich habe für den Roman recherchiert, mich mit Orten und ihrer Geschichte beschäftigt und mich in Themen eingelesen, über die ich 1993 noch nicht viel wusste. Über einiges davon werde ich hier später noch schreiben.
Norwegen spielt in Fensterwetter übrigens keine Rolle. Trotzdem gehört es auf diese Website, weil diese Seite nicht nur für einen einzigen Roman entstanden ist, sondern für mein Schreiben und für das, was daraus hoffentlich in den nächsten Jahren noch entstehen wird. Und da kommen wir an Norwegen ganz sicher nicht vorbei.
Deshalb sieht es hier so aus, wie es aussieht
Als ich diese Website gebaut habe und irgendwann entscheiden musste, welche Bilder, welche Stimmung und welche Orte eigentlich zu mir als Autorin passen, musste ich nicht besonders lange suchen.
Ich hätte natürlich einfach Bücher, einen Schreibtisch, eine Kaffeetasse und vielleicht noch einen hübschen Stift fotografieren können. Das wäre nicht einmal gelogen, denn mein Schreibtisch spielt beim Schreiben durchaus eine nicht ganz unwichtige Rolle. Aber es wäre trotzdem nicht das gewesen, was ich zeigen wollte.
Also wurden es Island, Norwegen, Wasser, Küsten und Weite. Und diese Bilder waren schon da, lange bevor es diese Website überhaupt gab. Der Vorteil ist übrigens auch, dass ich mich nicht mit Bildrechten herumschlagen muss, weil alles, was du hier siehst, von mir ist. Wenn sich das mal an der einen oder anderen Stelle ändern sollte, werde ich es natürlich entsprechend kennzeichnen.
Manchmal dauert es offenbar ein bisschen, bis man weiß, wofür man manche Dinge später noch braucht, ganz gleich, ob es ums Schreiben oder um Bilder geht. 😉
Wenn du mich ein Stück begleiten möchtest
Der Norden wird hier ganz sicher immer wieder auftauchen, nicht nur beim Schreiben. Wenn ich wieder in Norwegen oder anderswo im Norden unterwegs bin, werde ich davon erzählen, von Orten, an die ich zurückkehre, von neuen Entdeckungen und wahrscheinlich auch von Dingen, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe.
Wenn du solche Geschichten genauso wenig verpassen möchtest wie Neuigkeiten zu meinen Büchern, kannst du dich für meinen Newsletter eintragen. Ich schreibe dir, wenn es tatsächlich etwas zu erzählen gibt, vom Schreibtisch genauso wie von unterwegs.

