Leserstimmen zu „Da Capo al Fine“

Rezensionen zu „Da Capo al Fine“

Rezension von Kristin Behrmann (Autorin, Künstlerin):

Der zweite Lyrikband mit dem musikalischen Hinweis „Da Capo al Fine“ umspannt ihre Thematik, die sie eindrucksvoll hervorhebt. Dabei fließen die Themen Liebe, Philosophie und Behinderung ineinander über. Dennoch steht jedes Gedicht für sich und kann ebenso alleine bestehen.

Ein besonderes Augenmerk legt die Lyrikerin auf ein modernes Stilelement. In dem Gedicht „DurchBlick“ (Seite 42) spielt sie einerseits mit der Orthografie und anderseits mit dem grafischen Aufbau der Strophen. Das Wort Perspektive wurde in ihre kleinsten Bestandteile getrennt und bildet das quadratische Gerüst. Die ersten Strophen sind getrennt durch Bindestriche und dem „und“. Inhaltlich geht es hierbei um die philosophische Frage „Wo stehe ich, wo will ich hin?“ Dann folgt eine gepunktete Linie, die die Entscheidung hervorbringen soll. Das „oder“ wird ebenso wie zuvor mit dem „und“ mit Bindestrichen komplementiert. Die Entscheidung liegt bei einem selbst. Mit der Umwelt im Einklang leben oder sich gegen die Moral egoistisch durchsetzen. Die Antwort liegt im Quadrat. Es könnte sogar unendlich, von einer Ecke zur andern Ecke, durchdacht werden.

Silke Bauerfeind lässt die Romantik oftmals durch ihre unterschiedlichen Gedichte aufblühen. Ihre sprachliche Gewandtheit setzt sie in einigen Gedichten wie beispielsweise „Schaumkronen roch ich schon damals“ auf Seite 56 fantasievoll ein. In dem schon oben erwähnten Gedicht geht sie mehr auf die intellektuelle Ebene. Je nach dem, welche Thematik sie in ihrer Lyrik verarbeitet, kommen die sprachlichen Stilmittel zum Einsatz.

Etwas Zartes liegt in dem Gedicht „Hörst du das Stumm?“ (Seite 69). Fast schon auf eine fragile Art werden die Worte, die Unaussprechlichen, in den Mittelpunkt gerückt. Menschen, die einen Schutz benötigen, sind unsere Stärke. Stumme Vertraute, sie sind so nah und doch so fern. Vieles steckt in dem einzelnen Wort, jene Zeile bäumt sich auf und bleibt dennoch in der Stille verborgen.

Die Lyrikerin Silke Bauerfeind gibt dem Leser ihre Gedichte auf eine warme und kluge Weise. Ihre Themenauswahl ist aktueller denn je. Gleichwohl schwingt in ihrer Lyrik sehr viel Romantik. In unserer Zeit vielleicht ein schöner Gegenpol zum Inne halten.

Rezension von Sabine Katharina Wallefeld (Autorin, Aquarellistin):

Silke Bauerfeinds Lyrikband „Da Capo al Fine“ lässt mich eintauchen in einen bunten Fluss aus Wortkreationen und Emotionen. Seite um Seite werde ich mitgerissen in einen schwingenden Strudel aus Worten. Präzise, mutig, besinnlich und berührend.

Gleich das erste Gedicht „Wage dich“ nimmt mich mit auf eine poetische Reise. „Wage zu denken…, zu fragen…, zu fühlen…, zu leben…“. Ein eindringlicher Appell an die Lebensfreude, die Silke Bauerfeind in ihren Gedichten immer aufs Neue ausstrahlt. Gleichsam eine philosophische Tiefe. Blicke zurück und nach vorn sind in einer bemerkenswerten Balance. Melancholie und Lebensfreude finden gleichberechtigt ihren tiefen Ausdruck. Ja mehr noch, Mut und Freiheit trotzen Schmerz und Verlust.

Darüber hinaus sprengt S. Bauerfeind auch formale Strukturen. Es wird nicht gereimt, Worte explodieren geradezu, verlassen Zeilen, tanzen vor den Augen des Lesers, bilden eigene Formen, wagen etwas. Die Autorin versteht es, durch wohl gesetzte Absätze Spannung zu erzeugen und Inhalte zu betonen.

Und so schließt sich der Kreis. „Wage zu schreiben“ ist eine Aussage, die S. Bauerfeind verinnerlicht hat. Sie wagt Wort – und Formexperimente in einer ihr eigenen aussagestarken Kreation.

Eine Bereicherung in der lyrischen Buchlandschaft.

Rezension von Ekkehart Mittelberg (Autor, Fachbuchautor, Germanist):

Wie in Bauerfeinds erstem Lyrikband „Wunderstachelblumenanderswelt. Moderne Lyrik“ sind auch hier Liebe, Philosophie und Behinderung die übergreifenden Themen. Der Rezensent fasste seine Besprechung dieser ersten Anthologie so zusammen: „Wer als „Moderne Lyrik“ hermetisch verschlossene oder expressionistische Gedichte erwartet, wird enttäuscht. Die Modernität dieser meist reimlosen rhythmisch schwingenden Lyrik zeigt sich äußerlich in fantasievoll angeordneten Zeilen und Wortbildern, die die Aussage spiegeln, in Neologismen, in starken Gefühlen und prägnanter Metaphorik, kurz in einer selten anzutreffenden Synthese von Eros und Logos.“
Hat sich in diesem zweiten Lyrikband etwas geändert und wenn ja, was?
Die philosophische Poetin Bauerfeind ist noch deutlicher auf die Substanz ihrer lyrischen Botschaften konzentriert, sie verzichtet rigoros auf dekorative Schönheit. Der ästhetische Reiz ihrer Lyrik liegt darin, dass die originellen Metaphern und Wortbildungen sowie selbst die zahlreichen visuellen Verstärkungen ihrer Formulierungen immer der intendierten Aussage dienen und niemals dem Spiel mit der Form um ihrer selbst willen. Hermetisch verschlossene Gedichte finden sich auch in „Da capo al Fine“ nicht. Aber es gibt eine größere Zahl von vielschichtigen Gedichten, die unterschiedliche Deutungen zulassen. Bauerfeind zielt bewusst nicht auf das schnelle Verstehen ab, sie fordert kreative Leser heraus, die bereit sind, sich auf Ungewöhnliches einzulassen. Ihr erstes Gedicht sagt, was auf dem Spiel steht:

Wage dich

Wage zu denken
auch wenn sich ein Leben lang
Bequemlichkeiten in dir einnisten.

Wage zu fragen
obwohl Antworten schmerzen können und
Angst vor Veränderung dir den Mund verbietet.

Wage zu fühlen
was deine Sinne dir flüstern
ohne Gewissensbisse, Reue und Scham.

Wage zu leben
ohne Garantie auf Sicherheit
aber mit Hoffnung auf neues Glück.

Wage dich
und mich
ohne den Blick zurück.

Der zweite Gedichtband von Bauerfeind hat den Rezensenten länger gefesselt als der erste, bis er für jedes Gedicht eine ihn zufrieden stellende Deutung gefunden hatte. So soll es sein.
Unterhaltungs- und Erbauungslyrik gibt es heute – vor allem auch wegen der schnellen Verfügbarkeit durch das Internet – wie Sand am Meer. Gedichte, die herausfordern, über den Sinn des eigenen Lebenswegs, die Bedeutung des Lebenspartners und der Prüfungen nachzudenken, die einem Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, insbesondere Behinderte auferlegen, sind selten. Noch seltener sind jene, die dies mit einer höchst bewussten Sprache tun, die sorgfältig auf ihre semantischen und ästhetischen Wirkungen abgetastet und geprüft wurde.

Rezension von Rainer Maria (Leser):

Silke Bauerfeinds Lyrikband „Da Capo al Fine“ lässt mich eintauchen in einen bunten Fluss aus Wortkreationen und Emotionen. Seite um Seite werde ich mitgerissen in einen schwingenden Strudel aus Worten. Präzise, mutig, besinnlich und berührend.

Gleich das erste Gedicht „Wage dich“ nimmt mich mit auf eine poetische Reise. „Wage zu denken…, zu fragen…, zu fühlen…, zu leben…“. Ein eindringlicher Appell an die Lebensfreude, die Silke Bauerfeind in ihren Gedichten immer aufs Neue ausstrahlt. Gleichsam eine philosophische Tiefe. Blicke zurück und nach vorn sind in einer bemerkenswerten Balance. Melancholie und Lebensfreude finden gleichberechtigt ihren tiefen Ausdruck. Ja mehr noch, Mut und Freiheit trotzen Schmerz und Verlust.

Darüber hinaus sprengt S. Bauerfeind auch formale Strukturen. Es wird nicht gereimt, Worte explodieren geradezu, verlassen Zeilen, tanzen vor den Augen des Lesers, bilden eigene Formen, wagen etwas. Die Autorin versteht es, durch wohl gesetzte Absätze Spannung zu erzeugen und Inhalte zu betonen.

Und so schließt sich der Kreis. „Wage zu schreiben“ ist eine Aussage, die S. Bauerfeind verinnerlicht hat. Sie wagt Wort – und Formexperimente in einer ihr eigenen aussagestarken Kreation.

Eine Bereicherung in der lyrischen Buchlandschaft.

 

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