Leserstimmen zu „Wunderstachelblumenanderswelt“

Rezensionen zu „Wunderstachelblumenanderswelt“

Rezension von Mario (Leser):

Ich muß gestehen , ich bin eher durch Zufall an diesen Lyrikband geraten . Aber dieser Zufall hat mich doch nachhaltig sehr bewegt . Texte , welche die Themen Liebe-Gefühle-Freundschaft-Philosophie und Behinderung zum Inhalt haben , gehörten bisher nicht zu meinem täglichen Lesestoff . Doch als ich vor kurzem das Gedicht ‚Autist im Wartezimmer ‚ las , war plötzlich mein Interesse und meine Neugier an dieser Art von Lyrik geweckt . Es folgten ‚ Bitte liebe mich ‚ und ‚ Meine Lieblingsfarben singen ‚ . Ich fühlte mich in diesen Momenten meiner Tochter näher denn je , da sie , wie der Sohn der Autorin , Autist ist . Jetzt wurde in Worte gefaßt , was meine Tochter nie in selbige fassen kann und niemals können wird . Ich konnte mir endlich ein Bild davon machen , wie es in der Gefühlswelt eines Autisten aussieht , wie sich Eltern und Kind in einer Ausnahmesituation fühlen und wie es sich anfühlt , einfach nur anders zu sein . Alles in allem ist dieser Lyrikband für alle die Leser gedacht , welche noch an den wirklich wichtigen Dingen des Lebens interessiert sind . Mein persönliches Fazit : sehr emotional geschrieben und auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

Rezension von Ekkehart Mittelberg (Autor, Fachbuchautor, Germanist):

Wer Gedichte mit dem Titel ‚Wunderstachelblumenanderswelt‘ zur Hand nimmt, erwartet Naturlyrik. Die Natur spielt als Hintergrund vor allem in den Liebesgedichten Silke Bauerfeinds eine Rolle. Im Vordergrund stehen die drei großen Themenbereiche Liebe und Gefühle, Philosophie und Behinderung.
Wer aufgrund der Ankündigung ‚Moderne Lyrik‘ mit hermetisch verschlossenen oder expressionistischen Gedichten rechnet, wird enttäuscht. Die Modernität dieser meist reimlosen rhythmisch schwingenden Lyrik zeigt sich äußerlich in fantasievoll angeordneten Zeilen und Wortbildern, die, niemals aufgesetzt, die Aussage spiegeln, in Neologismen wie im Titel, in starken Gefühlen, stets vom Formwillen gezügelt, in prägnanter Metaphorik, kurz: in einer selten anzutreffenden Synthese von Eros und Logos.

Die meisten Stereotypen werden gewöhnlich in der Liebeslyrik mitgeschleppt: Sie läuft Gefahr, dem Kitsch am nächsten und der Originalität fern zu sein. Anders bei Silke Bauerfeind. Sie versteht es, dem uralten Thema mit nuancierter Sprache erfrischend neue Bilder abzugewinnen.
Lyrik und Philosophie, ein problematisches Paar. Das wusste schon Schiller, der in seinem Aufsatz ‚Über naive und sentimentalische Dichtung‘ seine Gedankengedichte geschickt gegen die naive Dichtung Goethes profilierte. Es ist schwierig, anschauliche philosophische Gedichte zu schreiben, die nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt sind.
Ein Beispiel soll zeigen, wie die Autorin dieses Problem löst:

Lichtmomente
Wie der Flügelschlag einer Fledermaus,
Lufthauch einer schemenhaften Gestalt,
flatternd mit mir verbunden,
im Dunkel verschwunden.

Wie ein seidiges Spinnennetz,
von dem reine Tränen tropfen,
glitzernde Haut geworden,
im Dunst gestorben.

Wie der einsame Lichtstrahl
durch die üppige Krone des Waldes,

streichelnd im Haar versteckt,
vom Schatten verdeckt.

Zärtlich streichen sie vorüber,
geschützt in flüchtigem Gewand,
Momente unfassbarer Wahrheit
und verborgen ruht Klarheit.

Silke Bauerfeinds Gedichte zu dem Thema Behinderung resultieren zum Teil aus der Tatsache, dass ihr Sohn Autist ist. Sie weiß also als Autorin und Mutter genau, worüber sie schreibt. Kein theoretischer Aufsatz kann dem Leser so nahe bringen wie Silke Bauerfeinds Lyrik, was Autismus bedeutet und wie man damit angemessen umgeht oder auch nicht.
Das Gedicht ‚Autist im Wartezimmer‘ hat den Rezensenten besonders berührt.
Man kann und sollte alle Gedichte primär nach poetischen Kriterien beurteilen. Ich kann und will das bei diesen Gedichten zum Thema ‚Behinderung‘ nicht. Zu sehr haben sie meine Empathie angesprochen.
Das Layout zu Silke Bauerfeinds Lyrik-Buch führt geschmackvoll in die ‚Wunderstachelblumenanderswelt‘. Lassen Sie sich verführen!

Rezension von V. (Leser):

„Wunderstachelblumenanderswelt“, der erste Lyrikband von Silke Bauerfeind, hebt sich wohltuend von anderen Erstlingen ab. Die Gestaltung ist schlicht, aber ansprechend. Das Cover passt hervorragend zum Titel und schon nach den ersten Gedichten ist man gefangen von der Sprachkraft dieser Autorin. Gegliedert in drei Sparten, findet der Leser engagierte Texte, die manchmal als Bild gestaltet, die Aussage nochmals unterstreichen. Die variierenden Inhalte der Gedichte, wechselnde Standpunkte und Sichtweisen, steigern zudem den Lesegenuss. Ich kann diesen Lyrikband nur wärmstens empfehlen.

 

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