Zu diesem Buch – Einleitungstext aus dem Buch zum Blog

Außerdem konnte ich eine befreundete Autistin dafür gewinnen, dieses Buch zu lektorieren. Auch das war und ist ein großer Gewinn.
Weil es auch autistische Eltern autistischer Kinder gibt und ich daher davon ausgehe, dass auch Menschen mit Autismus dieses Buch lesen, werden Redewendungen als Hilfestellung entsprechend gekennzeichnet. Überall dort, wo ein (rw) auftaucht, ist der Inhalt bitte nicht wörtlich zu verstehen.

In diesem Buch finden sich also mehrere Themenkomplexe, innerhalb derer sich verschiedene Beiträge versammeln – das sind meine Gedanken, gesammelte Eindrücke aus der Umfrage, kleine Anekdoten, Gedichte oder andere freie Textformen. Und es wird auch Raum sein für deine eigenen Gedanken, die du vielleicht spontan festhalten möchtest.
Das Buch muss nicht von vorne bis hinten durchgelesen werden, um die einzelnen Teile zu verstehen. Es kann auch direkt ein Thema aufgeschlagen werden, das möglicherweise gerade aktuell ist und brennt (rw). So wird dieses Buch vielleicht zu einem stetigen Begleiter in ganz unterschiedlichen Lebensphasen.

Als Anrede habe ich, wie du schon gemerkt hast, das lockere „du“ gewählt, da ich ein „Sie“ in diesem Zusammenhang für zu unpersönlich und unnatürlich empfinde. Ich hoffe, dass es mir nicht als mangelnder Respekt ausgelegt wird.

Möglichkeiten und Grenzen dieses Buches

In den meisten Anleitungen und Ratgebern zum professionellen Schreiben steht: „Richten Sie sich nicht nach dem, was der Markt verlangt und was gerade ‚gut geht’, sondern schreiben Sie über etwas, für das Sie brennen, über etwas, das Ihre Herzensangelegenheit ist.“
Nach bisher vier veröffentlichten Büchern, weiteren angefangenen und noch unvollendeten Romanfragmenten, ungeschliffenen Kurzgeschichten, die in der digitalen Schublade ihr Dasein fristen, und einigen Stufendiagrammen samt unvollständiger Plots, bin ich mit diesem Buch bei „meinem aktuellen Thema“ angekommen. Bevor ich mich den anderen Projekten widmen kann, musste jetzt zuerst dieses Buch geschrieben werden.

Ich verfüge über keine medizinische, therapeutische oder pädagogische Ausbildung, sondern habe Kulturwissenschaften mit den Fächern Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte studiert. Was mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben, ist die Tatsache, dass ich Mutter zweier wunderbarer Kinder bin. Mein Sohn ist derzeit 16 Jahre alt und erhielt vor zehn Jahren die Diagnose frühkindlicher Autismus mit hyperkinetischer Begleitkomponente. Seitdem ist einige Zeit vergangen – Zeit mit vielen Erlebnissen, Gedanken, Erfahrungen, guten und weniger guten Abschnitten, Begegnungen und Entwicklungen, über die ich im Februar 2014 begann auf Ellas Blog zu schreiben.

Das Autismus-Spektrum ist groß und vielfältig. Wie wir alle wissen, unterscheidet sich jeder Autist  vom anderen, wie auch jeder andere Mensch sich von seinen Mitmenschen unterscheidet.
Mein Sohn spricht nicht und kommuniziert über Gebärdensprache, er hat einen unschlagbaren Humor und das Talent, trotz einiger herausfordernder Eigenheiten die meisten Menschen im Sturm zu erobern (rw). Er braucht Hilfe bei alltäglichen Handlungen wie Essen, Trinken, Anziehen, Toilettengängen und Hygiene und wird wegen Selbstgefährdung und Weglauftendenz rund um die Uhr beaufsichtigt. Für Ellas Blog und dieses Buch gab ich ihm den Namen Niklas.
Meine hier geschilderten persönlichen Erfahrungen beziehen sich auf das Leben mit ihm und ich bin mir darüber bewusst, dass nicht alles, was wir erleben, typisch für jede Form von Autismus ist. Daher erhebt auch dieses Buch nicht den Anspruch, für jede Familie mit einem autistischen Kind zu sprechen. Die erwähnte Umfrage und der Kontakt mit weiteren Familien tragen zwar dazu bei, dass andere Perspektiven und Erlebnisse in die Schilderungen einfließen, dennoch bleibt aber das Erleben in meiner eigenen und von Familien mit ähnlich stark von Autismus betroffenen Kindern wie Niklas vorherrschend. An einigen Stellen werde ich darauf wiederholt hinweisen, um Missverständnissen vorzubeugen.

Besonders wichtig ist mir noch klarzustellen, dass keine der Informationen und Erzählungen in diesem Buch dafür geeignet sind, Eigendiagnosen zu stellen. Für das Stellen von Diagnosen, das Einschätzen geeigneter Medikation oder therapeutischer Vorgehensweisen bedarf es immer qualifizierter Beratung und Betreuung, die dieses Buch nicht leisten kann und auch nicht möchte.

Aber ich wünsche mir, dass sich Eltern, Angehörige und Freunde mit ihren Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen weniger alleine fühlen und vielleicht den einen oder anderen Tipp beim Lesen mitnehmen können.
Und ich wünsche mir, dass Fachleute, Ärzte, Therapeuten, Lehrer und andere, die beruflich oder ehrenamtlich mit Autisten und ihren Familien zusammenarbeiten, einen authentischen und intensiven Einblick in deren Leben bekommen.

Herzliche Grüße und hoffentlich bereichernde Stunden mit diesem Lese- und Erfahrungsbuch,

Silke Bauerfeind

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